Überblick
Die Anbieter-Art im Überblick:
Ein Ökostromanbieter verkauft Strom, dessen Herkunft aus erneuerbaren Quellen belegt ist. Der Beleg ist der Herkunftsnachweis: Für jede erzeugte Megawattstunde stellt das Umweltbundesamt einen Nachweis im Herkunftsnachweisregister aus, und der Lieferant muss ihn dort entwerten, bevor er Ökostrom ausweisen darf. Physisch kommt aus Ihrer Steckdose derselbe Strommix wie beim Nachbarn, der Nachweis regelt die Bilanz. Nach Angaben des Umweltbundesamts bieten inzwischen rund 800 Lieferanten mindestens einen Ökostromtarif an, das Etikett allein unterscheidet also kaum noch.
Der Haken: In Deutschland erhalten nur Anlagen ohne EEG-Förderung Herkunftsnachweise, damit derselbe Strom nicht doppelt verkauft wird. Laut Umweltbundesamt waren 2024 nur 11,4 Prozent des erneuerbaren Stroms ungefördert. Viele Nachweise stammen deshalb aus Norwegen oder Österreich und kosten nach Angaben der Verbraucherzentrale nur einen Bruchteil eines Cents je Kilowattstunde. Ein Tarif mit solchem Nachweis allein baut keine neue Anlage. Deshalb gibt es Labels, die einen festen Beitrag für neue Anlagen verlangen und Anbieter mit Beteiligungen an Atom- oder Kohlekraftwerken ausschließen.
Was der Anbieter leistet
Was ein guter Anbieter bietet:
Die Leistungen, die Sie von einem seriösen Anbieter erwarten dürfen.
- Herkunftsnachweise für jede gelieferte Megawattstunde kaufen und im Register entwerten.
- Die Stromkennzeichnung mit Energieträgermix und Herkunftsländern auf der Rechnung ausweisen.
- Bei Tarifen mit Label einen festen Betrag je Kilowattstunde in neue Anlagen oder Projekte stecken.
- Den Tarif von einem Labelträger zertifizieren lassen und die Kriterien jährlich nachweisen.
- Strom aus eigenen oder neu errichteten Wind- und Solaranlagen einkaufen oder selbst erzeugen.
- Auf Beteiligungen an Atomkraft- und Kohlekraftwerken verzichten, wenn das Label es verlangt.
- Verträge wie jeder Lieferant in Textform schließen und Kündigungen binnen einer Woche bestätigen.
Gut zu wissen
Wann sich ein Anbieterwechsel lohnt
Ein Wechsel zu einem Ökostromanbieter ist sinnvoll, wenn Ihnen die Wirkung Ihres Stromvertrags wichtig ist und Ihr aktueller Vertrag ohnehin endet. Das Umweltbundesamt rät, zu einem Lieferanten zu wechseln, der insgesamt viel erneuerbaren Strom anbietet, statt nur beim bisherigen Anbieter in den grünen Tarif zu springen. Den Unterschied zeigt die Stromkennzeichnung, die jeder Lieferant veröffentlichen muss.
Besonders lohnend ist der Schritt aus der Grundversorgung: Dort zahlen Haushalte im Schnitt deutlich mehr als in Neukundentarifen, und viele Ökotarife liegen im Bereich dieser Neukundenpreise. Wer schon einen günstigen Vertrag hat, prüft zuerst Laufzeit und Kündigungsfrist und wechselt zum nächsten Termin, damit keine Doppelzahlung entsteht.
Kosten
Grundpreis, Arbeitspreis und typische Tarife
Ökostrom wird wie jeder Strom über Arbeitspreis und Grundpreis abgerechnet. Die Verbraucherzentrale stellt fest, dass Ökotarife oft preisgleich mit konventionellen Tarifen sind, weil Herkunftsnachweise billig sind. Der BDEW-Durchschnitt für Haushalte liegt 2026 bei 37,0 ct/kWh, günstige Ökotarife gibt es je nach Ort um 30 ct/kWh.
Tarife mit Grüner Strom Label oder ok-power enthalten einen Förderbeitrag, laut Verbraucherzentrale höchstens etwa einen Cent je Kilowattstunde. Bei einem Durchschnittshaushalt sind das rund 30 Euro im Jahr, die in neue Anlagen oder Energiewende-Projekte fließen. Der Wechsel selbst ist kostenlos.
Tarifübersicht
Preise im Detail nach Tarifart
Bundesweit übliche Spannen, ohne Sonderfälle (Grundversorgung, Sonderkündigung, Neubauanschluss).
| Tarif / Leistung | Übliche Preisspanne | Was Sie wissen sollten |
|---|---|---|
| Durchschnittlicher Haushaltsstrompreis 2026 | 37,0 ct/kWh | BDEW-Mittelwert über alle Tarife, Öko und konventionell |
| Günstige Ökotarife für Neukunden | Um 30 ct/kWh | Je nach Postleitzahl, Laufzeit und Preisgarantie |
| Förderbeitrag bei Tarifen mit Label | Bis ca. 1 ct/kWh | Fließt in neue Anlagen oder Projekte |
| Förderbeitrag pro Jahr | Ca. 30 € im Jahr | Für einen Durchschnittshaushalt, laut Verbraucherzentrale |
| Herkunftsnachweis je Kilowattstunde | < 1 ct | Bruchteil eines Cents, meist aus dem europäischen Ausland |
| Grundpreis | Ca. 10–18 €/Monat | Wie bei konventionellen Tarifen, verbrauchsunabhängig |
| Wechsel zum Ökoanbieter | 0 € | Zusatzkosten beim Wechsel sind gesetzlich ausgeschlossen |
Tipps
Die Tipps von Brunolt vor der Unterschrift
🔌 Brunolt, unser Maskottchen, teilt seine Tipps und praktischen Hinweise, damit Ihr Anbieterwechsel gelingt. Wer ist Brunolt?
Den ganzen Anbieter prüfen
Ich schaue nicht nur auf den Ökotarif, sondern auf die Stromkennzeichnung des ganzen Unternehmens. Ein grüner Tarif im Kohlekonzern ist wie ein Salatblatt auf der Currywurst.
Herkunftsland lesen
Seit November 2023 stehen die Herkunftsländer der Nachweise auf der Rechnung. Ich lese nach, ob mein Ökostrom-Zertifikat aus Norwegen oder aus der Region stammt.
Label mit Förderung
Ein Label ist für mich nur dann etwas wert, wenn es den Bau neuer Anlagen fördert. Das Umweltbundesamt nennt dafür das Grüner Strom Label und ok-power.
Tarif, nicht Firma
Das Grüner Strom Label gilt für einzelne Tarife. Ich prüfe deshalb auf der Website des Labels, ob genau mein Tarif gelistet ist, nicht nur der Firmenname.
Keine Vorkasse
Auch beim Ökostrom gilt: keine Vorkasse, keine überlange Laufzeit. Ok-power schreibt das sogar in seine Kriterien, ich halte mich bei jedem Tarif daran.
Preis ehrlich vergleichen
Ich vergleiche Ökotarife ohne Bonus mit meinem jetzigen Tarif. Oft liegen sie gleichauf, dann entscheidet die Wirkung, nicht der Cent.
FAQ
Häufige Fragen
Was ist ein echter Ökostromanbieter?
Ein Anbieter, der nicht nur Nachweise zukauft, sondern den Ausbau erneuerbarer Energien voranbringt und selbst keine Beteiligungen an Atom- oder Kohlekraftwerken hält. Das Umweltbundesamt empfiehlt, auf das Gesamtangebot des Unternehmens zu achten, also auf seine Stromkennzeichnung. Die Labels Grüner Strom und ok-power prüfen genau diese Punkte. Beide Träger veröffentlichen Listen der zertifizierten Tarife.
Kommt bei mir mit einem Ökostromtarif wirklich Ökostrom an?
Physisch nicht, denn alle Erzeuger speisen in dasselbe Netz ein. Ihr Anbieter muss aber für jede Megawattstunde, die er Ihnen als Ökostrom verkauft, einen Herkunftsnachweis im Register des Umweltbundesamts entwerten. So wird sichergestellt, dass dieselbe Menge erneuerbar erzeugt und nur einmal verkauft wurde. Mehr Anlagen entstehen dadurch allein aber nicht.
Ist Ökostrom teurer als konventioneller Strom aus dem Netz?
In der Regel kaum. Herkunftsnachweise kosten laut Verbraucherzentrale nur einen Bruchteil eines Cents je Kilowattstunde, daher sind viele Ökotarife preisgleich. Tarife mit anerkanntem Label legen einen Förderbeitrag von höchstens etwa einem Cent drauf, rund 30 Euro im Jahr für einen Durchschnittshaushalt. Wer aus der Grundversorgung wechselt, zahlt oft sogar weniger.
Woran erkenne ich Greenwashing beim Ökostrom?
Warnzeichen sind selbst gestaltete Logos ohne unabhängigen Träger, vage Versprechen wie „klimafreundlich“ ohne Zahlen und ein Konzern, dessen Stromkennzeichnung überwiegend fossile Energie zeigt. Prüfen Sie, ob der konkrete Tarif auf der Website des Labels gelistet ist, und lesen Sie auf der Rechnung nach, aus welchem Land die Herkunftsnachweise stammen.
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