Überblick
Was es heißt, Ökostrom-Siegel zu erkennen
Gesetzlich braucht jeder Ökostromtarif nur Herkunftsnachweise: Für jede verkaufte Megawattstunde muss der Lieferant einen Nachweis im Register des Umweltbundesamts entwerten. Das belegt, dass irgendwo in Europa die entsprechende Menge erneuerbar erzeugt wurde, oft in längst bestehenden Wasserkraftwerken. Neue Anlagen entstehen dadurch nicht, und der Nachweis kostet laut Verbraucherzentrale nur einen Bruchteil eines Cents je Kilowattstunde.
Ein Siegel soll genau diese Lücke schließen. Es verspricht zusätzlichen Umweltnutzen, im Fachjargon Zusätzlichkeit: Mit Ihrem Tarif wird der Bau neuer Anlagen gefördert oder Strom aus jungen Anlagen eingekauft. Ob ein Siegel das hält, hängt von seinen Kriterien und seinem Träger ab. Das Umweltbundesamt nennt zwei Labels, die den Ausbau erneuerbarer Energien garantieren: das Grüner Strom Label und ok-power.
Ablauf
Ökostrom-Siegel erkennen: so prüfen Sie ein Label
Schauen Sie zuerst, wer das Siegel vergibt. Das Grüner Strom Label trägt ein Verein, hinter dem Umwelt- und Verbraucherverbände wie NABU, BUND und EUROSOLAR stehen; es existiert seit 1998. Ok-power vergibt der gemeinnützige Verein EnergieVision. Beide veröffentlichen ihre Kriterien und Listen der zertifizierten Tarife. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen bewertete 2016 in einem Marktcheck von zwölf Labels das Grüner Strom Label als einziges mit sehr empfehlenswert, ok-power mit empfehlenswert.
Dann lesen Sie die Kriterien. Das Grüner Strom Label verlangt 100 Prozent erneuerbaren Strom und einen festen Förderbetrag, für Haushaltsmengen 0,5 ct/kWh, der in Energiewende-Projekte fließt; Strom und Nachweise müssen aus denselben Anlagen stammen. Ok-power verlangt ebenfalls 100 Prozent Erneuerbare und lässt dem Anbieter die Wahl: etwa ein Drittel Strom aus jungen Anlagen oder 0,3 ct/kWh für neue Projekte. Dazu kommen Verbraucherschutzregeln wie der Verzicht auf Vorkasse. Ok-power bietet mit ok-power-plus zudem eine Variante, die den gesamten Absatz eines Unternehmens erfasst statt eines einzelnen Tarifs.
Zum Schluss prüfen Sie die Eigentümer und den konkreten Tarif. Beide Labels schließen Anbieter mit wesentlichen Beteiligungen an Atomkraftwerken aus; ok-power zusätzlich an Braunkohle und neuen Steinkohlekraftwerken, das Grüner Strom Label verlangt den Kohleausstieg bis zum 1. Januar 2027. Suchen Sie Ihren Tarifnamen auf der Website des Labels. Findet er sich dort nicht, ist das Logo auf der Anbieterseite wertlos. Werfen Sie danach noch einen Blick in die Stromkennzeichnung auf der Rechnung: Sie zeigt den Energieträgermix des ganzen Unternehmens und seit November 2023 die Herkunftsländer der Nachweise. Passt beides zum Versprechen des Siegels, sind Sie auf der sicheren Seite.
Kosten
Was kostet ein Tarif mit Ökostrom-Siegel?
Das Prüfen eines Siegels kostet Sie nichts, die Kriterien und Tariflisten stehen frei im Netz. Der Tarif selbst ist meist kaum teurer als konventioneller Strom: Die Verbraucherzentrale nennt für den Förderbeitrag anerkannter Labels höchstens etwa einen Cent je Kilowattstunde, für einen Durchschnittshaushalt rund 30 Euro im Jahr. Der BDEW-Durchschnittspreis für Haushaltsstrom liegt 2026 bei 37,0 ct/kWh.
Konkret: Beim Grüner Strom Label fließen für Haushaltsmengen 0,5 ct/kWh in Projekte, bei ok-power im Fördermodell 0,3 ct/kWh. Ein Haushalt mit 2.500 kWh finanziert damit rechnerisch 7,50 bis 12,50 Euro im Jahr zusätzlich. Wer aus der Grundversorgung wechselt, zahlt trotz Siegel meist weniger als vorher. Unser Angebotsformular ist kostenlos und unverbindlich; kommt ein Vertrag zustande, kann Brunolt eine Provision vom Partner erhalten.
Tarifübersicht
Preise im Detail nach Tarifart
Bundesweit übliche Spannen, ohne Sonderfälle (Grundversorgung, Sonderkündigung, Neubauanschluss).
| Tarif / Leistung | Übliche Preisspanne | Was Sie wissen sollten |
|---|---|---|
| Siegel auf der Label-Website prüfen | 0 € | Kriterien und Tariflisten sind öffentlich einsehbar. |
| Förderbeitrag Grüner Strom Label (Haushaltsmengen) | 0,5 ct/kWh | Fließt in Energiewende-Projekte, gilt bis 10.000 kWh. |
| Förderbeitrag ok-power (Fördermodell) | 0,3 ct/kWh | Alternativ Strom aus jungen Anlagen statt Beitrag. |
| Förderbeitrag anerkannter Labels pro Jahr | Ca. 30 € höchstens | Durchschnittshaushalt, laut Verbraucherzentrale. |
| Herkunftsnachweis ohne Siegel | < 1 ct/kWh | Bruchteil eines Cents, bewirkt allein keine neue Anlage. |
| Haushaltsstrom im Schnitt | 37,0 ct/kWh | BDEW-Mittelwert 2026, Öko und konventionell zusammen. |
| Wechsel zu einem Tarif mit Siegel | 0 € Wechselkosten | Zusatzkosten beim Lieferantenwechsel sind gesetzlich ausgeschlossen. |
Gut zu wissen
Wann sollten Sie Ökostrom-Siegel genau prüfen?
Immer dann, wenn ein Tarif mit grünem Versprechen wirbt, aber kein Label mit öffentlichem Kriterienkatalog nennt. Auch bei bekannten Namen lohnt der Blick, denn TÜV-Zertifikate knüpfen die Vergabe an weniger strenge Bedingungen als die beiden empfohlenen Labels. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen fand 2016 bei sieben von zwölf Labels keinen erkennbaren ökologischen Mehrwert.
Prüfen Sie außerdem, wenn Ihr bisheriger Versorger Sie mit einem neuen Ökotarif umwirbt. Das Umweltbundesamt rät, auf das gesamte Angebot des Lieferanten zu achten, nicht nur auf den einzelnen Tarif. Ein Siegel, das nur Herkunftsnachweise bestätigt, sagt wenig. Eines, das Förderung und Unabhängigkeit von Kohle und Atom verlangt, sagt viel. Ein Siegel ersetzt außerdem nicht den Blick in den Vertrag: Laufzeit, Preisgarantie und Abschläge prüfen Sie wie bei jedem Stromtarif.
Tipps
Die Tipps von Brunolt vor der Unterschrift
🔌 Brunolt, unser Maskottchen, teilt seine Tipps und praktischen Hinweise, damit Ihr Anbieterwechsel gelingt. Wer ist Brunolt?
Logo ist nicht Siegel
Ein grünes Blatt mit dem Wort Öko hat jeder Grafiker in zehn Minuten gezeichnet. Ich frage immer zuerst: Wer vergibt das Zeichen, und wer kontrolliert die Kriterien?
Tarif in der Liste suchen
Das Grüner Strom Label gilt für einzelne Tarife, nicht für ganze Firmen. Ich suche deshalb genau meinen Tarifnamen in der Liste des Labelvereins, bevor ich unterschreibe.
Förderbeitrag nachrechnen
Ein halber Cent je Kilowattstunde klingt nach wenig. Bei 2.500 kWh sind das gut 12 Euro im Jahr, die direkt in neue Anlagen fließen statt nur in ein Zertifikat.
TÜV genau lesen
TÜV-Zertifikate klingen solide, knüpfen die Vergabe laut Verbraucherschützern aber an weniger strenge Bedingungen. Ich lese, was genau kontrolliert wurde, statt mich vom Namen beeindrucken zu lassen.
Eigentümer checken
Beide empfohlenen Labels schließen Anbieter mit wesentlichen Beteiligungen an Atomkraftwerken aus. Bei anderen Siegeln schaue ich selbst nach, wem der Anbieter gehört.
Herkunftsnachweis ist Pflicht, kein Siegel
Einen Herkunftsnachweis braucht jeder Ökotarif. Wirbt ein Anbieter nur damit, ist das so, als lobe ein Bäcker sein Brot dafür, dass es Mehl enthält.
FAQ
Häufige Fragen
Welche Ökostrom-Siegel sind wirklich seriös, und welche Labels empfehlen Verbraucherschützer und Umweltbundesamt?
Das Umweltbundesamt nennt das Grüner Strom Label und ok-power, weil beide den Ausbau erneuerbarer Energien garantieren. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen verglich 2016 zwölf Labels: Grüner Strom erhielt als einziges die Bewertung sehr empfehlenswert, ok-power empfehlenswert, sieben Labels boten keinen erkennbaren Mehrwert. Beide empfohlenen Labels schließen außerdem Anbieter mit wesentlichen Beteiligungen an Atomkraftwerken aus und veröffentlichen Listen ihrer zertifizierten Tarife.
Was ist der Unterschied zwischen dem Grüner Strom Label und dem ok-power-Siegel?
Das Grüner Strom Label verlangt einen festen Förderbetrag je Kilowattstunde, für Haushaltsmengen 0,5 Cent, und eine physische Kopplung: Strom und Herkunftsnachweis müssen aus derselben Anlage stammen. Ok-power lässt dem Anbieter die Wahl zwischen Strom aus jungen Anlagen, eigenen Neuanlagen oder einem Förderbeitrag von 0,3 Cent. Dafür schreibt ok-power Verbraucherschutzregeln wie den Verzicht auf Vorkasse fest. Beide Labels verlangen 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen.
Was taugen TÜV-Siegel für Ökostrom im Vergleich zu den Labels der Verbände?
TÜV-Zertifikate bestätigen, dass ein Tarif bestimmte Standards erfüllt, knüpfen die Vergabe aber laut Verbraucherschützern an weniger strenge Bedingungen als Grüner Strom Label und ok-power. Im Marktcheck der Verbraucherzentrale Niedersachsen von 2016 zählten mehrere TÜV-Standards zu den Labels ohne erkennbaren ökologischen Mehrwert. Lesen Sie deshalb genau, welcher Standard zugrunde liegt und ob er Neuanlagen fördert.
Reicht ein Herkunftsnachweis, damit mein Stromtarif als echter Ökostrom gilt?
Rechtlich ja, für die Energiewende meist nicht. Jeder Ökotarif braucht Herkunftsnachweise, die im Register des Umweltbundesamts entwertet werden. Sie stammen oft aus bestehenden Wasserkraftwerken im Ausland und kosten nur einen Bruchteil eines Cents je Kilowattstunde. Ein neues Windrad entsteht dadurch nicht. Erst ein Label mit Förderbeitrag oder Neuanlagenquote sorgt für zusätzlichen Nutzen.
Wie prüfe ich selbst, ob das Ökostrom-Siegel auf meinem Tarif echt und noch gültig ist?
Suchen Sie den Tarifnamen auf der Website des Labelträgers, denn das Grüner Strom Label zertifiziert einzelne Tarife und keine ganzen Unternehmen. Prüfen Sie, wer das Siegel vergibt und ob die Kriterien öffentlich sind. Lesen Sie dann die Stromkennzeichnung auf Ihrer Rechnung mit Energieträgermix und Herkunftsländern. Taucht der Tarif in keiner Liste auf, ist das Logo auf der Anbieterseite nichts wert.
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